“Victim Blaming” – was bedeutet das?

  • “Was hatte sie denn an, als es geschah?”
  • “Sie hat es doch provoziert!”
  • “Mit dem Ausschnitt muss sie sich nicht wundern…”
  • “Sie war doch betrunken…”

Wenn weiblichen Überlebenden sexualisierter Gewalt Mitschuld an den erlittenen Übergriffen gegeben wird, hat das einen Namen: Victim Blaming

“Victim Blaming” ist eine Strategie, die ursprünglich als Taktik von Verteidiger_innen in Vergewaltigungsprozessen genutzt wurde und noch bis heute als Verteidigungsstrategie von Anwält_innen Verwendung findet.

Skandalöse Urteile, bei denen “Victim Blaming” als Strategie genutzt wurde, gibt es viele.

1999 gab es einen Freispruch in einem Vergewaltigungsfall in Italien, da das Opfer zu Beginn der Tat Jeans trug, welche nach Meinung des Richters so eng sitzen, dass sie nicht ohne Einwilligung der Trägerin heruntergezogen werden könnten. Aus diesem Grund könne es sich nicht um eine Vergewaltigung handeln.

2018 zeigt die Verteidigung in einem Vergewaltigungsprozess in Irland die Spitzenunterwäsche der Klägerin und stellt diese als Zeichen der Freizügigkeit der jungen Frau dar. Es entstand eine Gegenbewegung und Frauen posteten aus Solidarität mit der Klägerin unter dem Hashtag #ThisIsNotConsent Bilder ihrer Unterwäsche. Es galt ein Zeichen zu setzen, dass Kleidung nicht mit sexueller Gewalt in Verbindung gebracht werden darf!

“Victim Blaming” ist im Grunde eine Täter_innen-Opfer-Umkehr. Sie findet jedoch nicht nur im Bereich sexueller Gewalt statt, sondern auch im Rassismus, bei häuslicher Gewalt oder Fällen von Narzissmus.

Neben äußeren Faktoren, wie der Kleidung des Opfers, spielt auch der körperliche und geistige Zustand des Opfers eine Rolle (beispielsweise die Frage, ob das Opfer betrunken oder unter Drogeneinfluss war).

“Victim Blaming” kann sich sehr schnell als Gedanke einschleichen, da die meisten Vorsichtmaßnahmen, die Frauen von Jung an betreiben (vom Schlüssel in der Hand oder den Telefonieren auf dem Nachhauseweg), gesellschaftlich bekannt sind und fast als “normal” angesehen werden. Jedoch, dürfen Vermeidungstaktiken und Vorsichtsmaßnahmen nicht mit Schuld verwechselt werden, denn die geht nur vom Täter oder der Täterin aus.

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